Definition
Das oder die Raclette stammt aus dem Französischen für racler = „schaben, kratzen“. Vielleicht rührt auch aus diesem Ursprung das verbreitete Vorurteil, ein Raclette-Essen sei schäbig. Dem ist natürlich nicht unmittelbar so. Wahr ist jedoch, dass beim Raclette eigentlich alles Käse ist, um den es sich auch dreht.
In meinem Kulturkreis ist unter Raclette nicht der ursprüngliche KäseAbschabTanz (KAT, nicht zu verwechseln mit KAD = “kleine, alte Damen”) gemeint, sondern Tischgeräte, die es erlauben, keine monströsen Käselaibe sondern vorgeschnittene Käsescheiben zu schmelzen. Mittels kleiner Pfännchen - meist 6 bis 10, aber auf jeden Fall immer zu wenige und zu kleine - die jeder selbst mit allen erdenklichen und unvorstellbaren Rohstoffen belegen kann.
Vorbereitung
Ein mehr oder weniger gelungenes Raclette-Essen benötigt selbstverständlich eine mehr oder weniger gelunge Vorbereitung. Zunächst gilt es eine Unmengen verschiedenster Stoffe (möglichst essbar) heimzubringen. Ob hierbei Einkaufen die zu empfehlende Methode ist, bleibt jedem selbst zu entscheiden.
Hat man nun Wurst, Fleisch, Käse, Ei, Pilze, Gurke, Paprika, Tomate, Mais, Gummibärchen, Gewürze, Esspapier und ähnliches gehortet und auch in passgerechte Stücke aufgeteilt (ja diese müssen in die Pfännchen passen, wenn möglich auch mehr als eins), kann man nun zum Aufbau des Tischgerätes schreiten. Wichtig hierbei: Stecker nicht vergessen einzustöpseln - vorher mittels nasser Finger die Spannung der Steckdose als ausreichend zertifizieren.
Der Akt der Lust
Funktioniert das Gerät - ein funktionierendes Gerät erkennt man daran, dass nach einige Minuten der Goldhamster unter der Heizspirale in Flammen aufgeht - kann man loslegen. Man nehme sein Pfännchen und bestreiche es zuallererst mit etwas Öl/Fett. Absoluter Geheimtipp: Nur in Längsrichtung aufstreichen (d.h. parallel zum Haltegriff). schließlich ist bekannt, dass Querstreifen einen fett aussehen lassen.
Nun muss man sich entscheiden, welche Zutaten man in seiner ersten Fuhre zusammenstellen möchte. Hierfür sollte nicht zu große Denkleistung verwendet werden, falls überhaupt vorhanden, da man eh abertausende Pfännchendurchgänge im verlaufe des Abends anrichten wird, um satt zu werden. Nebenbei isst man Pellkartoffeln mit Quark und tut so, als sei dies nun ein deliziöses Essen, obwohl man sonst immer raumjammert. Das Nahezu-letzte-Pfännchen wir nochmal mit einem ordentlichen Schuss Ei versehen, außer man hat selber Spüldienst. Dann sollte man lieber zusehen, dass von Anfang an diese Zutat heimlich in irgendeiner Blumenvase verschwindet.
Der goldene Abschiedsschuss
Als nun wirklichen allerletzten Durchgang schnappen wir uns eine fast verfaulte Banane und schneiden diese in hornhautdicke Scheiben. Ab damit in das Pfännchen und einen mehr als ordentlichen Klecks Honig drauf. Nun nochmal die Hitzeleistung des Tischgerätes voll aufdrehen und den Pfänncheninhalt quasi flambieren. Nach 7 Minuten Rauchentwicklung hat man die Bananenscheiben köstlich mit Honig karamellisiert. Mit diesem letzten Essdurchgang kehrt auch der König der Kalorien des Abends ein in deinen Körper. Letztendlich könntest du nun auch Quersteifen tragen, es würde keinen Unterschied machen.
Und nun?
Drei Flaschen Wein, eine Tequila und ein Fass Wodka runden den Abend ab und sorgen dafür, dass man ihn schnell vergisst. So kann man sich auch beim nächsten Mal voller Vorfreude ans Raclette-Essen machen. Man weiß ja nicht mehr, wie grausam es eh werden wird…
