Viel Lärm heutzutage um Nichts. Wäre es da nicht sinnvoll einmal Stille walten zu lassen? Die kleinen Geräusche? Die Julia und ich haben am vergangenen Donnerstag darüber gesprochen. Am Montag nun also eine Verlautbarung über die leisen Momente und deren Wichtigkeit für das Leben.

Wann bist du laut?
Wenn ich alleine bin. Oder mit Leuten, die ich gut kenne. Dann kann ich ganz laut sein. Sind mir die anderen um mich herum fremd, bin ich eher mucksmäuschenstill. Manche haben es halt verdient, dass sie mich hören. Manche nicht. Laut bin ich außerdem vor allem, wenn ich sauer bin. Oder aber auch total glücklich. Dann muss es einfach raus. Leise - das ist verliebt, traurig und träumend. Musik höre ich so laut, bis sich die Nachbarn beschweren. Damit ich mich nicht selber beim mitsingen höre. Inzwischen sind sie aber immun dagegen.
Berlin?
Das ist abhängig von den Jahreszeiten. Im Winter ist Berlin total laut. Überall fluppt der matschige Schnee. Die Autos röhren durch die Straßen. Aber im Sommer, da ist sie leise - unsere Stadt. Die Sonne scheint. Alles riecht gut. Das sanfte Autorauschen ist eine liebliche Hintergrundmusik. Und im Sommer gibt es Vogelzwitschern. Das hat eh die optimale Lautstärke.
Welche Melodie hat dein Leben?
Ui, das ist eine schwierige Frage. Es ist wie klassische Musik. Viele Geigen, aber auch Einbrüche. Dann mit Pauken. Ich glaub es ist wie Mozarts kleine Nachtmusik.
Geräusche. Die schöne und hässliche?
Hm, erst die schönen. Wenn der Wind über die Felder so weht. Dein Gitarrenspiel in den Pausen, wenn es aus einem Klassenraum in den Gang herüberschallt. Regentropfen an ein Fenster. Man selber sitzt sicher drinnen im Warmen. Freunde am Telefon, von denen man lange nichts gehört hat. Hässliche Geräusche sind schrill. Fingernägel auf der Tafel. Türen Knallen vom Wind. Das Schlüsselklimpern der Lehrer, das man schon von Weitem hört. Und Wecker.
Wie klingt denn dein Wecker?
Ich hab zum Glück keinen richtigen mehr. Meiner ist meine Mutter. Die Tür geht auf. Licht scheint vom Flur herein. Sie streichelt mich sanft und sagt: “Julia, aufstehen.” Und dann erhebe ich mich und schlurfe zum Bad.
Schweigen?
Ja. Nicht zu oft. Aber manchmal. Besser als Schwachsinn loslassen. Nicht reden umzu reden. Manchmal einfach die Stille genießen.
Singst du unter der Dusche?
Ja, aber ruhig. Leise. Nicht schreien. Immer, was ich so für einen Ohrwurm gerade hab. Zur Zeit ist es Music when the lights go out von den Libertines.
Warum sackt man leise zusammen? Und wie ist dein Tod?
Der Tod. Der ist leise. Ich weiß nicht warum. Ist einfach intuitiv, meine Meinung. Und deshalb sackt man auch leise zusammen. Weil man einfach so dahingeht. Und ich mag auch die Dekontextualisierung. Einfach nur - leise zusammen. Weil man sich ohne Worte versteht. Mit Blicken. Mit Gesten. Das ist die schönste Stille.
Ein letzter Ton?
Ein träumendes Leise sein. Auch wenn es regnet, die Sonne scheint. Jemand spricht dich an. Du hörst es nicht. Leise. “Hmm, was hast du gesagt?”
