18.02.2008

(5) Fort sein

Die Ferne zieht einen hinaus. Sehnsucht nach der blauen Blume. Wenn einen nichts mehr hält, ist man weg. Auch mich bringt das Leben im August in den Süden Deutschlands. Nach Freiburg. The road goes on. Doch vorher habe ich über dieses Befinden mit Lischen gesprochen. Über das Fern sein, das Fort sein. Über Abstände und Neuanfänge. Kein Reisebericht.

fortseinlischen

Du ziehst fort?
Da hast du Recht. Im Sommer. So im Juli oder August. Für ein halbes Jahr nach Afrika - das ist sicher. Wo genau hin leider noch nicht. Vielleicht Südafrika. Aber nicht so als Safari-Tourist. Es ist natürlich das Land, das reizt. Die Umgebung, die Landschaft, die Tiere. Aber ich werde dort keinen Urlaub machen, sondern in einem Projekt arbeiten. Welches ist noch nicht sicher. Ich hab mich noch nicht entscheiden können.

Was erwartest du? Was wird dich erwarten?
Mein Horizont soll sich erweitern. Das nicht-zivilisierte Leben kennenlernen in all seinen Facetten. Auch mich selber noch viel besser kennenlernen. Zu wissen, wie man mit Extremsituationen umgeht und man sich in ihnen verhält. Das eigene Leben wirklich zu spüren. Und ich möchte helfen, aber vor allem will ich auch helfen können. Das heißt, dass sowohl ich die richtigen Fähigkeiten habe, aber mir auch die Möglichkeiten gegeben werden. Erwarten wird mich eine Menge Neues und Fremdes. Armut. Ganz andere Mentalitäten, aber auch ganz viel Herzlichkeit. Da bin ich mir sicher.

Hast du auch Angst?
Klar. Davor mir eine Krankheit einzufangen. Dass ich nicht richtig mit der fremden Kultur klarkomme. Sie nicht richtig greifen kann. Nicht mit dem Elend und so umgehen kann. Und, dass ich nicht richtig ankommen werde.

Weggehen als Flucht?
Hmm, ich empfinde es nicht so. Ich lasse mein altes Leben, alte Sichtweisen zurück. Meine tolle Familie. Meine Freunde. Die Zeit wird mich verändern. Doch ich will raus. Raus aus dem Alltäglichen. Es ist eine Sehnsucht nach dem Unbekannten, nach Ferne. Von daher ist es vielleicht auch unterbewusst eine Flucht vor einer zu beschränkten, einseitigen Lebensweise, die ich seit 19 Jahren führe. Und auch vor Luxus.

Wo ist deine Heimat? Dein zu Hause?
Es ist nicht unbedingt örtlich fixiert. Berlin. Marienfelde. Nein. Es ist da, wo ich bin. Wo ich angenommen werde. Mit meinen Fehlern und Macken. Dort, wo liebe Menschen um mich herum weilen.

Wie soll dein Abschied sein? Wie deine Rückkehr?
Mein Abschied soll fröhlich sein. Die anderen sollen sich für mich mit freuen. Nicht so viel Trauer, die kommt bei mir von ganz allein irgendwann. Es ist ein Spiel von Freude und Melancholie. Zwischen Himmelhochjauchzen und Tiefschlägen. Bei meiner Rückkehr ist die Freude dann riesig. Fotos werden gezeigt. Übersprudelndes Erzählen. Ich hoffe ich werde die Zeit dann auch dafür haben. Und ich wünsche mir eine Sichtweise zu haben, wie es dann weitergeht in meinem Leben. Neue Wege sollten offen scheinen.

Kontakt?
Klar, per Mail und Telefon!

Ein letzter Reisesegen?
Auch wenn ich fort bin, bin ich hier. Vergesst mich nicht. Ich will, dass ich da, wo ich sein werde, mit Händen, Mund und allem helfen kann. Dass andere von mir profitieren können.

Nico schrieb es | Kategorie: Sein

Kommentare

Sehnsucht nach der ferne. Flucht vor Luxus. Neue Wege. Wie schön - Ich mag das Interview :) Grüße an besagtes Lischen

Südafrika. Klingt gut, aber ob man in einem hakben Jahr das Touristen.Sein ablegen kann?

Hey danke Clarisse, Grüße zurück : )

Ich weiß es nicht, Claire. Es kann sehr gut sein, dass ich -wenn überhaupt- erst nach einem halben Jahr “ankomme”…vielleicht häng ich dann aber einfach noch ein paar Monate dran. Bin da recht flexibel :)

Clarisse :p Schon klar, Lischen ;)

Uuuppss :D

Aber ein äußerst netter Name…

Hehe, kannst ja eines deiner Kinder so nennen. Aber die Lara-Isse wird dir schon verzeihen, falls sie das noch überhaupt liest.

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