Es ist lang her seit der letzten Unterredung. Die letzten beiden Montage (8 + 8′) gab es nur Ausreden für mein eigenes schlechtes Gewissen. Doch heute gibt es wieder eine. Ein Gespräch über das Verschließen der Augen, über das Nicht-Sehen. Über Gefühle, deren Befindlichkeiten und die Unfähigkeit des eigenen Ichs diese zu erkennen. Blind sein. Der oder die nette Gesprächspartner/in möchte unerwähnt bleiben, das respektiere ich. Der Inhalt ist umso interessanter.

Was siehst du in diesem Moment?
Dich. Einen völlig durchgedrehten, rothaarigen Typen mit mehr oder weniger sinnigen Gedankengängen. Aber sympathisch. Sehr sogar. Vor allem mit deinem Halstuch, du Künstler. Mein Zimmer hier, das Bett auf dem wir sitzen. Die Kugellampe in der Ecke mit ihrem warmen Schein. Und die Welt vor dem Fenster hier sehe ich. Bäume und Wolken und die untergehende Sonne.
Und was siehst du nicht? Was bleibt dir verborgen, was dir verwährt?
Die Liebe. Es gibt da jemanden. Mir wurde gesagt, dass er wohl verliebt in mich ist. Ich sehe es nicht. Ich scheine völlig stumpf für dieses Gefühl zu sein. Es zu empfinden. Es zu bemerken. Es zu sehen. Das schmerzt mich sehr, weil ich auch weiß, dass ich damit besagten Menschen ja auch verletze. Ich möchte die Augen öffnen könne, das wundervolle Gefühl betrachten und erfassen können. Doch sie bleiben mir verschlossen.
Wieso glaubst du, ist das so? Was hat dir dein Augenlicht zur Liebe geraubt?
Schlechte Erfahrungen? Schicksal? Es gibt keinen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich es wissen will. Aber es wäre leichter für mich, wenn ich schon immer blind für dieses Gefühl gewesen wäre. Zu wissen, wie es ist, peinigt mich schon sehr.
Bist du ein Einzelfall?
Nein. Auf keinen Fall. Ich denke sogar, dass es mich im Verhältnis noch gut getroffen hat. Es wird irgendwann wieder besser werden. Aber viele Menschen sind blind für viel wichtigere Dinge im Leben. Viele können keine Freundschaften bilden, leiden unter Selbstüberschätzung, sind verbissen oder sehen die Freude am Leben nicht mehr. Solange ich letzteres mir erhalten kann, geht es mir gut.
Letzte Worte in der Dunkelheit?
Jemand hat mal gesagt: “Liebe ist der Entschluß, das Ganze eines Menschen zu bejahen, die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen.” Vielleicht kann ich wieder Lieben, wenn ich es schaffe mich selbst zu bejahen. Die Liebe besteht zu drei Viertel aus Neugier - das letzte Viertel werde ich auch noch schaffen.

“Aber es wäre leichter für mich, wenn ich schon immer blind für dieses Gefühl gewesen wäre. Zu wissen, wie es ist, peinigt mich schon sehr. “
Wer hatte dieses Gefühl noch nicht ? Den Wunsch nicht fühlen zu müssen.Wer auch immer du bist ich hoffe, dass du dazu kommst dich selbst wieder zu bejahen, und das bejahen der anderen annehmen zu können :-)
Viel Glück und Liebe und vielen Dank für diesen wunderbaren Text
Leon am 31.03.2008
um 16:32 Uhr