14.04.2008

(11) Daheim sein

Das Ende ist nah. Der Alltagstrott der nun schon über eine Dekade andauernden Schulzeit ist vorüber. Alle brechen sie auf. Ich auch im August. In unbekannte Welten. Zu neuen Ufern. Zeit sich sich auf seine Wurzeln zu besinnen. Zum heutigen Montag, dem letzten Unterrichtsmontag, ein Gespräch mit Nina über das Daheim sein, die Fremde und ein Geborgenheitsgefühl.

Du wohnst nicht mehr zu Hause. Du bist ausgezogen.
Doch so simpel, wie das jetzt klingt, war und ist das nicht, oder?

Nein. Ganz so einfach war es nicht. Ich bin aber auch nicht mal eben ausgezogen - in eine WG in Berlin. Zuerst bin ich für ein Auslandsjahr vor 2 1/2 Jahren nach Südafrika gegangen. Heute nix mehr besonderes. Aber anstatt nach einem Jahr Erfahrungen, Kenntnisse über die neue Kultur und viele Erinnerungen wieder heim zu fahren, hat es mich über den großen Teich gezogen. Nun lebe ich seit über einem Jahr hier in den Vereinigten Staaten von Amerika. In New Jersey.

Wie ist es so weit weg von deiner Familie und deinem Herkunftsland zu sein?
Also… (langes Schweigen) es ist schwer. Oft genug. Aber ich weiß auch, weshalb ich diese Wahl getroffen habe. Grad die Geborgenheit der Familie und meiner alten Freunde habe ich damals in Südafrika sehr vermisst. Aber man gewöhnt sich an alles. Oder besser: Man stumpft ab.

Ist Berlin deine Heimat? Fühlst du dich hier daheim?
Berlin. Naja, irgendwie schon. Es ist die Stadt, in der ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Fast mein ganzes Leben habe ich hier verbracht. Mein Zuhause ist es nicht mehr. Ob ich ein heimisches Gefühl für Berlin empfinde, vermag ich nicht zu sagen. Aber es ist ein gewisses Gefühl des Erinnerns. An die alten Bilder im Kopf. Mein alter Schulweg, der mich jahrelang begleitet hat. Meine kleine Straße. Der Mauerpark hier. Die Wohnung bei meinen Eltern. Mein altes Zimmer. In gewisser Weise wird Berlin auch immer Heimat für mich sein.

Wie wichtig ist Heimat?
Unglaublich wichtig. Zumindest für mich. Es tut gut zu wissen, woher man kommt. Nur dann kann man sich auch sicher darauf berufen, wo man hin will. Zu hause kann man sich überall fühlen. Zu hause, da bin ich, wo ich in Freude leben kann. Aber Heimat ist schon was besonderes. Sich auf seine Wurzeln berufen zu können - jetzt ganz unabhängig woher man kommt. Aber einfach dieses Gefühl des Verankert seins. Ich genieße es immer sehr. Deshalb freu ich mich auch jedes Mal aufs Neue, es zu erleben. Herrlich.

Ein letztes Grußwort?
“Deine Nacht über Berlin - was immer du jetzt sagst.
Meine Worte auf den Knien - als du noch bei mir lagst.” - The Wohlstandskinder

Nico schrieb es | Kategorie: Sein

Kommentare

Das Gespräch mit dem mir wohl seltsamsten Gefül dabei - c’est la vie.

Aber du hast es geschafft und allein das zählt! Bin stolz auf dich. Mon ami.

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