Das Abi ist da. Unerwarteter als Weihnachten, unerwünschter als der eigene Geburstag. Es kam einfach ohne zu fragen. Man ging zur Schule und nach 13 Jahren steht es nun vor der Tür. Unverschämtheit. Und doch muss man sich stellen. So will es das Leben. Zum heutigen Montag zwischen den Klausuren kehre ich zum Anfang zurück: Wieder eine fingierte Unterredung erdacht aus einzelnen Gesprächen mir naher und ferner Figuren. Allwissend, Nichtskönnend.

Cogito ergo sum - Ich denke, also bin ich.
Du bist. Das ist wahr. Entscheidend dabei ist doch aber vor allem was du bist. Und das bleibt ja hier völlig offen. In meinem Fall bin ich vor allem gerade geschafft und genervt vom Lernen, ein bisschen hungrig und aufgeregt. Vielleicht auch panisch. Wegen des Abiturs halt. Aber auch glücklich einfach grad so sein zu können.
Nun könntest du auch dankbar sein. Dankbar für die Zeit des Lernens.
Ja und was wir nicht alles gelernt haben: Seelenwanderungen in ferne Welten während unser Körper am Ort verweilt und sogar durch Automatismen am Unterrichtsgeschehen teilnimmt… Dass beschleunigte Masse und Kraft zusammenhängen - endlich wurde uns der Unterschied zwischen Eisen- und Federhammer bewusst… Lernen alles nur für den Moment zu Lernen. Auswendig. Und dann ganz schnell es wieder zu verdrängen… Jaja, wir haben schon viel in diesen Jahren gelernt. Nur die Rahmenpläne sind spurlos vorübergezogen.
Fühlst du dich jetzt aber nicht wissend? Ein Genie des Lebens?
Wissend? Nun gut, ich kann vielleicht ein Gedicht eingehender auf Metrum, Stilmittel und Intention des Autors untersuchen. Aber wissend? Dann hätte das Schulsystem seinen Zweck erfüllt und das ist leider nicht so: Ich wäre wissend, wenn ich wüsste, wo es mit meinem Leben hingehen soll. Was in 10 Jahren vielleicht ist. Aber ich weiß es noch nicht mal von in einem Monat. Ich sollte wissen, wie es um meine Zukunft bestellt ist, doch bisher habe ich nur Verdrängung und panische Propaganda kennengelernt. Nein, wissend bin ich nicht. Ich fühle zumindest nicht so.
Eine letzte Weisheit?
Wir sind Schüler von heute, die in Schulen von gestern, von Lehrern von vorgestern, mit Methoden aus dem Mittelalter auf die Probleme von morgen vorbereitet werden. Ich wage zu behaupten, es gäbe ein Problem.

Oh mein Gott! Deutschabi! Das schrecklichste, was es in der Schule gab und definitiv eine Wahl, die ich zutiefst bereue und wovon ich jeden, der mich fragt abrate.
Ich hoffe, es lief bei dir einigermaßen gut.
F am 29.04.2008
um 10:58 Uhr