Der Berliner Dramatiker Lothar Trolle hat in der Inszenierung “Leuchte Berlin, leuchte!” für das Theater an der Parkaue die Motive und Figuren der Weihnachtsgeschichte ins heutige Berlin versetzt. Herausgekommen ist ein befreiender Gegenentwurf zum glühweinschwangeren Besinnlichkeits-Event.

Es ist Weihnachten in Berlin. Irgendwo im Osten über den Dächern der Stadt leuchtet etwas so groß wie ein Hochaus. Ein Stern? Ein Ufo? Etwa eine viel zu übertriebene Weihnachtsinstallation? Oder herrscht doch wieder Krieg? Die ganze Stadt ist auf den Beinen und strömt der Himmelserscheinung entgegen, um herauszufinden, was los ist in dieser Weihnachtsnacht. Mitten im Winter am 24. Dezember erblüht eine Rose in der Sophienstraße. Unbemerkt von der Menge kommt in der Stadt ein junges Paar mit einem Esel an. Ihr Weg führte über Flüsse, Meere und Autobahnen – immer entlang auf dem schmalen Pfad entlang dem Begrenzungsstreifen – Richtung Berlin und schließlich nach Lichtenberg. Sie suchen eine Bleibe, denn ein Kind ist unterwegs.
Und weiter?
Eine Inszenierung, die so wunderbar von dem triefenden Pathos der Adventszeit befreit. Mit ihrer Zusammenstellung aus Momenten, Typen und Akzenten spiegelt sie ein Gefühl nach Sehnsucht, der Suche nach Frieden und einem erfüllten Leben wieder, das untrennbar zu Weihnachten gehört. Und doch ganz ohne den so typischen Besinnlichkeitskitsch. Die Handlungen des Stücks strahlen in alle Richtungen wie fliehendes Licht. Einem selber bleibt nichts anderes übrig, als hinter dem ständigen Wechsel von Ort und Zeit des Geschehens hinterher zu rennen. Und eins ist klar: Lothar Trolle will provozieren, stößt an. Keinen gemütlichen Weihnachtsabend erhält man von ihm. Stattdessen sprühen Ernstes und Absurdes aus den Sprechakten der sieben Schauspieler wie aus einer Wunderkerze. Jede Szene ist dabei so vergänglich wie ein Funke und leuchtet dennoch so hell.
Alles in allem?
Geht rein! Ein Stück voller Energie und mit eindrucksvollen Schauspielern, die sprachlich wie körperlich an die Grenzen gehen und dabei überzeugen. Ein tolles Bühnenbild mit einem Container aus Spiegelwänden – womit auch klar wird: Es wird keine beliebige Geschichte erzählt. Es geht um uns, es geht um die Leute, um das Publikum selber. Und vor allem ein wirklich guter Gegenpunkt zum glatten, schnöden Konsumideal: Hier ist es eine Nutte, die die Botschaft der Liebe verkündet. In diesem Sinne: Gehet alle hin, sofern ihr über 16 seid!
THEATER AN DER PARKAUE – Junges Staatstheater Berlin
nächste Vorstellungen: 21. + 22.12. | (030) 55 77 52 53 | www.parkaue.de



Parkaue, da habe ich mich noch nie hingetraut, sollte ich vielleicht mal. Danke für den Tritt :-)