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Sein

(15) Alleine sein

Es ist wieder Zeit. Zeit für Unterredungen über Befindlichkeiten und andere Zustände. 2010 beginnt da ganz subtil mit dem Alleine sein. Leon, der schon beim allerersten Sein-Gespräch mithalf, widmet sich diesmal ganz alleine meinen Fragen. Wieder einmal Zeit für ein wenig Zwischenmenschlichkeit.

Du warst alleine. Wo und weshalb kam es dazu?
In Hamburg, nach dem Abitur wanderte ich aus in den Norden. Die einzige Person, die ich in Hamburg kannte, war meine Cousine und so hatte ich die ersten zehn Wochen, die ich mit einem Praktikum auf einer Werft verbrachte, keine Person unter 28, die sich klar artikulieren konnte. Die Tochter meiner Cousine war zu jung und die Jungs auf der Werft, die dort auch ihr Praktikum machten, sahen das Lesen einer BILD-Zeitung bereits als intellektuelle Bildung an.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
Das habe ich mich in der Zeit auch oft gefragt: “Warum tust du dir das an? Warum bist du überhaupt hier?” Die Antwort ist rein rational – Hamburg ist der beste Ort in Deutschland, um Schiffbau zu studieren.

Was hast du so die ganze Zeit mit dir gemacht?
Ich war nach der Arbeit meistens zu fertig um irgendwas zu machen, da wurde selbst Einkaufen zur Überwindung. Ich habe also hauptächlich gearbeitet, gegessen und geschlafen. Letzteres auch schon immer recht früh, da ich um 4 Uhr aufstehen musste.
Was mir sehr geholfen hat war, dass ich jedes Wochenende nach Hause fahren konnte, was ich auch fast immer gemacht habe.

Was ist der Reiz am Alleine sein?
Für mich ist es die Freiheit. Die Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte und sich mit seinen Problemen auch mal ganz für sich allein zu befassen, ohne dass einem jemand reinredet.

Was ist der Reiz an der unendlichen Weite auf dem Meer?
Das Meer gehört zu den wenigen “Dingen”, die mir nie wirklich nie langweilig werden. Ich kann Ewigkeiten am Strand sitzen ohne irgendwas weiter zu tun und genieße das sehr, wenn ich die Chance dazu habe, das Meer auch wirklich zu genießen. In dem einen Monat, den ich draußen auf der See verbrachte, habe ich mich daran noch nicht satt gesehen. Und ich habe viel Zeit draußen verbracht. Meine Studienwahl hängt natürlich auch eng mit meiner Faszination für das Meer zusammen.

Welche Melodie hat Allein sein?
“Himmelblau” von den Ärzten.

Lieber alleine oder zusammen? Alleine ist man weniger zusammen – Eine Weisheit oder nur Kitsch?
Zusammen, ich bin eindeutig ein Gesellschaftsmensch. Aber wenn ich ab und an mal allein sein kann und meine Ruhe habe, bin ich auch sehr froh.

Würdest du es wieder machen?
Ich habe meine Entscheidung hierher zu gehn und die Einsamkeit auf mich zu nehmen nicht beräut, ja ich würde wieder auswandern, denn es hat sich gelohnt.

Wem würdest du dazu raten?
Den Leuten, die in Berlin geblieben sind. Meiner Meinung nach verpassen sie etwas. So sehr ich diese Stadt mag, es hat mir sehr gut getan auch mal was anderes zu sehn.

Ein letztes einsames Wort?
Nein.

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