// daheim

28. Februar 2008

Homophobia: Nice is nice, but nice is just fuck you

Keine Sorge. Der Titel mag irritieren. Es geht nicht um irgendeine Art der Angst vor Schwulen, Lesben oder Heterosexuellen. Es geht um den Wortursprung. Der Angst vor dem Gleichen. Vor dem Stillstand. Status Quo. Der Verlust der Individualität. In dieser rasenden Welt verliert man sich in Entfremdung. Du betrittst die Straße und wie ein reißender Strom zieht sie dich fort. Doch du kommst nirgendwo anders an. Du ziehst fort und bleibst doch. Hier ist hier ist da ist hier. Alles gleich. Alle sehen gleich aus. Alle denken gleich. Alle sind gleich. Sagt ja auch die Bibel und weise Leute. aber bei denen klingt das so positiv. Als wäre das gut. Sollte denn nicht jeder anders sein? Einzigartig? Ist wohl eine Illusion, wenn ich mich im Bus oder in der U-Bahn umschaue. Eine Illusion des Anti.Nichts. Großartig!

Julius hat ein Lied geschrieben. So familiar. Auch ohne Musik ein Lesen wert:

After heaven has talked with you, your face is so familiar.
And nice is nice, but nice is just fuck you
and at least for this time I guess she was right.

So damn the same, so damn the same, so damn the same,
you look like everybody in this room.

I question all of my sense.
I close my eyes just to mix up your voices.
Being stuck in the middle of something
like village of the damned.

So damn the same, so damn the same, so damn the same,
you look like everybody in this room.
And everybody else looks like you.
It’s nothing we can say, nothing we can do,
it’s just that

So damn the same, so damn the same, so damn the same,
you look like everybody.
And i’m so damn ashamed, so damn ashamed, so damn ashamed,
I look like everybody too

Doch wie wird man wieder einzigartig? Wie wird man wieder Singular? Keine Masse. Nicht gleich. Nicht nett. Nicht wie man sein soll, sondern wie man sein will. Ich weiß es nicht. Ist es wichtig? Oder sollte man vergessen, dass man ist wie man ist wie man nicht sein will? Manche Dinge ändern dich nie.

25. Februar 2008

(4′) Füreinander da sein

Nun ist es da. Letztes Mal musste es noch ausfallen. Ich war krank. Jetzt hat es geklappt: Claire und ich waren füreinander da und haben daüber gesprochen und ein wenig auch aufgeschrieben. Über dieses Sein und die Befindlichkeiten dahinter die Unterredung zum heutigen Montag. Dem letzten im Februar.

Wofür bist du da?
Na klar, Nico. Fangen wir doch mit der Frage nach dem Sinn des Lebens an. Du Fiesling. Aber gut. Wofür bin ich da? Für andere. Mein Leben wäre recht unnütz, wenn ich keine Menschen um mich herum hätte. Ich brauche sie und sie brauchen mich – zumindest glaube ich das. Und wenn wir uns alle lieb haben, gefällt mir dieser Sinn sogar.

Was ist eine erfüllte Freundschaft für dich?
Freundschaft ist für mich wie Schilf im Sturm. Wie ein Schiff auf offenem Meer. Alleine wird man es nie bezwingen können. Nur zusammen kann man auch heftige Unwetter überstehen. Aber man muss sich auf den anderen verlassen können. Vertrauen. Freundschaft sollte wie ein guter Wein sein – je älter, umso besser. Wenn Worte weniger sagen als ein Schweigen, dann ist es tiefe Freundschaft. Erfüllt ist sie für mich, wenn ich mich fallen lassen kann. Wenn ich mich in ihr verliere. Man sagt, Liebe hört da auf, wo man sich kennt. Freundschaft ist dann der Moment, wo man den anderen kennt, bevor er es über sich selbst wusste.

Füreinander da sein. Wann warst du nicht?
Nicht sein. Ich wünschte manchmal, ich könnte es. Doch später weiß ich: Es ist besser, dass ich bin. Wichtiger für mich ist das Füreinander. Das haben meiner Eltern vor ihrer Scheidung nicht mehr geschafft. Darunter habe ich damals sehr gelitten. Umso wichtiger ist es für mich jetzt, dass ich für die Menschen, die mein Sein fordern, auch da sein kann. Von daher versuche ich mich zu kümmern, um die Leute, die mir nahestehen. Freundschaften halt. Und ich hoffe, ich war immer.

Wer ist für dich da?
Meine Mutter. Du. Ein paar andere Mitmenschen, denen ich mein Herz geöffnet habe. Bis kurz vor Sylvester glaubte ich auch an einen Jungen. Dass dieser für mich da sei. Und ich für ihn. Ich habe mich getäuscht. Mein Herz ist daran zerbrochen. Du warst für mich da. Danke. Freundschaft geht weiter als Liebe. Liebe ist miteinander sein. Freundschaft ist füreinander da sein.

Eine letzte Floskel der Zwischenmenschlichkeit?
Hisst die Segel! Wir ziehen davon. Miteinander, aber vor allem füreinander zusammen.

23. Februar 2008

Entfernungen globalisiert

Man glaubt heute gar nicht mehr, wie groß die Welt noch sein soll. Die gefühlte Größe ist klein. Gefühlt ist ja eh alles anders. Doch wie groß ist die Welt denn noch wirklich? Alles ist so nah. Ich setz mich in den Flieger und bin woanders. Deutschland. Bolivien. Finnland. Australien. Ost. West. Nord. Süd. Alles innerhalb von Stunden. Und das Internet. Bin ich hier oder bin ich schon fort? Minutenweise um die ganze Welt. Kommunikation der Kulturen überall. Entfernungen spielen doch keine Rolle mehr. Außer vielleicht beim Bonusmeilensammeln. Man könnte die These aufstellen, es gäbe gar keine Fernbeziehungen mehr. Weil ja alles so nah ist.
Doch wünscht man sich immer diese Nähe? Will ich immer wissen, was auf der anderen Seite der Welt passiert, wenn ich noch nicht mal meinen Nachbarn kenne? Also wirklich kennen. Nicht nur wissen, dass es ihn gibt. Entfernungen werden verkehrt. Was nah ist, wirkt fern. Was fern liegt, scheint nah. Paradox, aber leider Wahrheit. Ich möchte nicht wissen, warum ein Sack Reis irgendwo anders umfällt. Aber ich will fühlen. Ich will leben. Mit den Menschen um mich herum. Alles ist so tot in der Stadt. Gesichter wie Wände. Augen wie Scheiben, doch das Innere ist nicht zu erkennen. Anonym lebt man nebeneinander. Nicht miteinander, eher gegeneinander. Und so soll Erfüllung aussehen? Da will ich dann doch fort. Weit weg in die Ferne, die ja doch so nah ist. Verwirrend. So zieht das Leben unaufhaltsam dahin. Am Ende ist ja doch alles entfernt.

22. Februar 2008

(e) … zur Weltherrschaft?

Ein paar Notizen an mich selbst. Streng geheim. Und total nutzlos. Vergesst sie.


  • Der Klügere gibt nach. Gerade deshalb haben die Dummen die Weltherrschaft.
  • Wenn ich meine Gegner besiegen will, darf ich mich bloß nie zu “Aber bevor du nun stirbst, sollst du noch eine Sache wissen‚Ķ” hinreißen lassen.
  • Vertrauen ist manchmal keine Frage der Wahl.
  • Der Partisanenkampf findet nicht in Pubs statt. Oberstes Gebot für irische Freiheitskämpfer.
  • Finde vor Kriegsbeginn einen überzeugenden Angriffsgrund. “Zuückschießen” wird meist nur akzeptiert, wenn man es mit “dem Land die Demokratie näher bringen” verbindet.
  • Bevor man die Weltherrschaft an sich reißt, sollte man die Welt auch kennen. Vorkenntnisse in Erdkunde sind wünschenswert.

20. Februar 2008

21:27

21.27 Uhr. Die Mikrowelle pingt. Essen fertig. Aufgewärmt. Von innen. Wie die Liebe. Alle Gefühle wie die Vitamine dabei zerstört. Der Traum schmilzt dahin. Ping. 3 Minuten bei 600 Watt. Ping. Irgendwo anders hört man das Säuseln irgendeines beliebigen Nachrichtensprecher. Monotone Stimme. Klingen sie doch alle irgendwie gleich. Und er erzählt von der weiten Welt. Doch keine Sehnsucht entsteht. Ping. Aufgewärmtes Essen. Wie das Leben. Irgendwie schon am Leben, aber doch nicht lebendig. Halt nur aufgewärmt. Nix Neues, nix Einzigartiges. Individualität? Pustekuchen! Aufgewärmt!
So zieht der Abend dahin. Im Ersten beschäftigt man sich mit der Geschichte. Schuldgefühle. Doch wofür? Für das Sein in diesem Land? Niemals! Bewusstsein, ja. Erinnern, ja. Nie wieder, ja. Aber Schuldgefühle – oh bitte, nein! Das Thema ist wichtig. Doch ist es wieder immerzu aufgewärmt. In der Mirkowelle. Ping.

A wie andauernd
B wie Bestimmung
E wie ewig
N wie natürlich
D wie du

Alles zieht dahin. Die Liebe. Das Leben. Gefühle. Die Sehnsucht. Was bleibt sind die Gedanken. 21.41 Uhr. 14 Minuten. Hätt ich das Essen im Ofen gehabt, wär es nun verbrannt. In der Mikrowelle nicht. Es ist zwar wieder kalt. Aber ich dreh einfach den Schalter. 3 Minuten. Ping.

18. Februar 2008

(5) Fort sein

Die Ferne zieht einen hinaus. Sehnsucht nach der blauen Blume. Wenn einen nichts mehr hält, ist man weg. Auch mich bringt das Leben im August in den Süden Deutschlands. Nach Freiburg. The road goes on. Doch vorher habe ich über dieses Befinden mit Lischen gesprochen. Über das Fern sein, das Fort sein. Über Abstände und Neuanfänge. Kein Reisebericht.

Du ziehst fort?
Da hast du Recht. Im Sommer. So im Juli oder August. Für ein halbes Jahr nach Afrika – das ist sicher. Wo genau hin leider noch nicht. Vielleicht Südafrika. Aber nicht so als Safari-Tourist. Es ist natürlich das Land, das reizt. Die Umgebung, die Landschaft, die Tiere. Aber ich werde dort keinen Urlaub machen, sondern in einem Projekt arbeiten. Welches ist noch nicht sicher. Ich hab mich noch nicht entscheiden können.

Was erwartest du? Was wird dich erwarten?
Mein Horizont soll sich erweitern. Das nicht-zivilisierte Leben kennenlernen in all seinen Facetten. Auch mich selber noch viel besser kennenlernen. Zu wissen, wie man mit Extremsituationen umgeht und man sich in ihnen verhält. Das eigene Leben wirklich zu spüren. Und ich möchte helfen, aber vor allem will ich auch helfen können. Das heißt, dass sowohl ich die richtigen Fähigkeiten habe, aber mir auch die Möglichkeiten gegeben werden. Erwarten wird mich eine Menge Neues und Fremdes. Armut. Ganz andere Mentalitäten, aber auch ganz viel Herzlichkeit. Da bin ich mir sicher.

Hast du auch Angst?
Klar. Davor mir eine Krankheit einzufangen. Dass ich nicht richtig mit der fremden Kultur klarkomme. Sie nicht richtig greifen kann. Nicht mit dem Elend und so umgehen kann. Und, dass ich nicht richtig ankommen werde.

Weggehen als Flucht?
Hmm, ich empfinde es nicht so. Ich lasse mein altes Leben, alte Sichtweisen zuück. Meine tolle Familie. Meine Freunde. Die Zeit wird mich verändern. Doch ich will raus. Raus aus dem Alltäglichen. Es ist eine Sehnsucht nach dem Unbekannten, nach Ferne. Von daher ist es vielleicht auch unterbewusst eine Flucht vor einer zu beschränkten, einseitigen Lebensweise, die ich seit 19 Jahren führe. Und auch vor Luxus.

Wo ist deine Heimat? Dein zu Hause?
Es ist nicht unbedingt örtlich fixiert. Berlin. Marienfelde. Nein. Es ist da, wo ich bin. Wo ich angenommen werde. Mit meinen Fehlern und Macken. Dort, wo liebe Menschen um mich herum weilen.

Wie soll dein Abschied sein? Wie deine ückkehr?
Mein Abschied soll fröhlich sein. Die anderen sollen sich für mich mit freuen. Nicht so viel Trauer, die kommt bei mir von ganz allein irgendwann. Es ist ein Spiel von Freude und Melancholie. Zwischen Himmelhochjauchzen und Tiefschlägen. Bei meiner ückkehr ist die Freude dann riesig. Fotos werden gezeigt. Übersprudelndes Erzählen. Ich hoffe ich werde die Zeit dann auch dafür haben. Und ich wünsche mir eine Sichtweise zu haben, wie es dann weitergeht in meinem Leben. Neue Wege sollten offen scheinen.

Kontakt?
Klar, per Mail und Telefon!

Ein letzter Reisesegen?
Auch wenn ich fort bin, bin ich hier. Vergesst mich nicht. Ich will, dass ich da, wo ich sein werde, mit Händen, Mund und allem helfen kann. Dass andere von mir profitieren können.

15. Februar 2008

(d) … zum Tod?

Drüben ist ein bester Freund des Menschen gestorben. Aus Respekt widmet sich daher heute das Sagen dem Schweigen. In Demut.

13. Februar 2008

Es kommt immer anders, als man denkt…

Die Verantwortlichen von schülerVZ und studiVZ scheinen Leser dieses Blogs zu sein: Seit ein paar Minuten komme ich wieder in beide Suchtportale! Einfach unglaublich!

11. Februar 2008

(4) Füreinander da sein

füreinanderdasein

Ich bin krank. Sehr dolle. Deshalb muss die Unterredung der Befindlichkeiten diesen Montag ausfallen. Ich werd das Gespräch mit Claire ein andermal führen. Über das Füreinander da sein und so. Hust. Krächz.

8. Februar 2008

Interviewpartner gesucht?!

Für meine allmontäglichen Befindlichkeitsunterredungen suche ich noch ein paar Leute, mit denen ich sprechen kann und darf. Leute, die Lust darauf haben. Die nächsten Wochen sind zwar schon gefüllt. Aber danach. Ich hab da lieber Sicherheit. Man suche sich ein geeignetes Sein-Thema heraus. Hinterlasse einen Kommentar. Oder schreibe eine Mail an mich.

stolz sein, autoritär sein, zusammen sein, alleine sein, da sein, traurig sein, schüchtern sein, lebend sein, nicht mehr sein, krank sein, ruhelos sein, wach sein, durstig sein, kreativ sein, süchtig sein, neu sein, blau sein, auf der Suche sein, individuell sein, sprachlos sein, arm sein, frei sein, gefangen sein, ich sein, du sein, gewesen sein…

Und wenn ihr eine Sein-Idee habt. Dann schreibt es noch schneller. An mich.

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Da sind Sie also. Und doch noch nicht weg? Selber Schuld!
Dann sehen Sie sich doch ein wenig um – lesen Sie dies, lesen Sie das. Und wenn Sie letztendlich immer noch nicht genug von mir haben – auch dafür wurde gesorgt.

Nebenbei

Letzte Kommentare

  • Michaela: Diesen Tripp habe ich mir letztes Jahr gegönnt und irgendwie war auch alles so wie im...
  • Julian: Interessant. Wird jetzt samt Fefe ständig gelesen. Damit rangierst du bei mir vor dem...
  • Emu: Yay – das ist eine ziemlich coole Idee. Quasi ein ganz persönliches Delicious :)
  • Eva: Das ist wirklich ein schönes Lied, aber – musst du denn alle Klischees über unsere...
  • Nina: So schlimm dort unten? ;)