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Being apart. Oh, Canada!
vom 12.01.2012 | 04:19

Sometimes in life you have to be apart. Nun bin ich hier, angekommen in der Kälte – rein klimatechnisch. Die kommenden vier Monate werde ich hier an der Quest University etwa eine Stunde nördlich von Vancouver studieren. Umgeben von schneebedeckten Bergen, Wäldern und sonst eher wenig, streben hier um die 370 Studenten nach Wissen. Das alles ist zunächst recht spannend, da doch anders als zuhause in Deutschland: Studiert wird im Blocksystem – soll heißen – ein Kurs, einen Monat lang, jeden Tag drei Stunden. Das hat so seine Vor- und Nachteile. Genau wie das auf-dem-Campus-leben. Ich bin in einer WG in einem der drei Wohnheime untergekommen. Zusammen mit drei Mitbewohnern beherberge ich eine der begehrteren Wohnungen, eine mit einer richtigen Küche und nicht nur einer Mikrowelle. Und dann sagte man mir, wir hätten von hier aus dem Fenster auch den besten Ausblick auf dem Campus. Er ist schon sehr beeindruckend, wobei mir das Wasser des Bodensees als Symbol des rituellen Blickeschweifens schon jetzt fehlt. Genauso wie anständiges Brot, eine etwas kritischere Haltung gegenüber der eigenen Uni und die ach so vielen vertrauten Gesichter, die ich am Strand der guten Hoffnung zurücklassen musste. Hier starren mich täglich fremde Gesichter an, schleudern mir sich neu zu merkende Namen an den Kopf und sind dabei auch noch so verdammt freundlich. Das ist mir bisher alles sehr suspekt, aber auch überaus angenehm. And to clear this up: I’m alive, surrounded by mountains and lovely people, confident to see what’s coming up.

2012 – gonna be pretty global
vom 01.12.2011 | 14:12

Das Semester neigt sich mal wieder dem Ende zu – mein viertes inzwischen. Nach einem Sommer zwischen Sri Lanka, Thailand und dem Schwarzwald drückt der herbstliche Bodensee mit all seinem Nebel doch ein wenig auf die Stimmung. Daher war schnell beschlossen: Es geht wieder raus in die weite Welt.

Ab Januar werde ich nun für ein Auslandssemester an die QUEST University nach Kanada (wenige Minuten von Vancouver entfernt) gehen. Vier Monate lang werde ich mich auch dort kulturellen und politischen Themen der Gesellschaft, der Gemeinschaft und der Identität widmen. Auch wäre es damit nun endlich mal Zeit Ski- oder Snowboard-fahren zu lernen. Im Anschluss geht es nach Charlotte (North Carolina, USA), wo ich Tille, Rena und George treffen werde. Gemeinsam werden wir uns mit dem Auto aufmachen gen Süden – Miami das Ziel. Von dort fliegen Tille und ich alleine weiter, setzen über nach Venezuela. Die kommenden 70 Tage wagen wir dann etwas für mich noch leicht Surreales: ein Roadtrip durch Südamerika. Von Venezuela durch Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Paraguay, Brasilien, Uruguay nach Argentinien. Auf dem Weg besuchen wir viele Freunde und am Straßenrand wartet sicherlich das ein oder andere Abenteuer. Nach all dem Reisen geht es dann Ende Juli zurück nach Deutschland und nach einigen Tagen Berlin auch wieder ab in den Schwarzwald: arbeiten. Statt die Welt zu bereisen, lasse ich im August dann wieder die Welt zu mir kommen und betreue über 100 Jugendliche aus über 20 Nationen.

Soweit zur ersten Jahreshälfte. Die zweite widmet sich dann vor allem der Bachelorarbeit. Die muss dann schließlich auch geschrieben werden. Aber auch das wird sich machen lassen. Auch 2012 – das ist klar – wird ein Jahr voller Herausforderungen. Und das macht es so schön.

Deutsche Kulturarbeit in Sri Lanka
vom 03.07.2011 | 10:36

Nachdem ich nun ziemlich genau seit einem Monat in Sri Lanka lebe, ist es Zeit, auch einmal genauer über das Land, meinen Job und die Menschen zu berichten. Alles noch nicht mit der nötigen Reflexion – eher eine Momentaufnahme der Eindrücke.

Das Land und seine Hauptstadt Colombo:
Sri Lanka ist zuallererst wirklich anders, als alles, was ich bisher erlebt habe. Vergleiche mit Europa, (Süd-)Afrika oder Nordamerika passen alle nicht wirklich. Es ist schon irgendwie, was man sich unter Asien jenseits von China und Japan so vorstellt. Rein optisch fühle ich mich stetig an die exotischen Verstecke aus irgendwelchen James-Bond-Filmen erinnert. Leider leidet Sri Lanka immer noch und weiterhin stark an dem Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit in der Bevölkerung und der tamilischen Minderheit und dem ziemlich blutigen Bürgerkrieg von 1983 bis 2009 – worüber ich auch gerade eine Seminararbeit schreibe.
Ich habe mich diesen Monat lang hauptsächlich in der Hauptstadt Colombo aufgehalten. Die ist allerdings selber gar nicht so schön wie wohl der Rest des Landes. Die Luft auf den Straßen ist geschwängert von Abgasen und Benzingeruch und durch die Luft schallt ein stetiges Hupkonzert, das hier einfach zum Fahrstil und Verkehrssystem gehört. Entschädigt wird man bei einem abendlichen Spaziergang zwischen Bahngleisen und Indischen Ozean und am Galle Face Green, auf dem Familien, Pärchen, ganze Schulklassen und Touristen zusammen den Sonnenuntergang genießen. Untergekommen bin ich in einem kleinen Apartment in einem atemraubenden Garten direkt im Botschaftsviertel (Colombo 7) nur ein paar Querstraßen vom Institut entfernt.
Das Wetter ist hier übrigens nicht so launisch wie in Deutschland: Es wird nie wirklich kälter als 26° C gerade und regnet eigentlich jeden Tag, im Moment vielleicht nur einmal kurz, in den ersten Wochen hier hat es jedoch bestimmt mindestens 3 mal pro Tag geregnet. Dementsprechend heiß und schwül ist es hier – ums Schwitzen kommt man nicht herum. Außerdem ist es hier ab 18.30 Uhr zappenduster und das wohl das ganze Jahr lang. Mein Körper hat sich seit einer Woche langsam dran gewöhnt – er sagt mir ab 21 Uhr, dass ich ins Bett gehöre, lässt mich dafür aber auch schon ab 6 Uhr relativ problemlos aufstehen.

Mein Job:
Hierher gekommen bin ich hauptsächlich aufgrund des Auslandspraktikums, welches Teil meines Studiums ist. Daher arbeite ich nun rund 8 Wochen lang für die deutschen Kulturarbeit in Sri Lanka. Konkret kümmere ich mich um die Vorbereitung von Ausstellungen deutscher Künstler oder Workshops mit diesen, helfe mit bei der Durchführung von Lesungen deutscher Kinderbücher für Schulklassen, bereite das Veranstaltungsheft des Instituts vor, schreibe Protokoll bei Meetings (z.B. zum European Film Festival hier in Sri Lanka) und vieles mehr, dabei natürlich auch ganz klassische Praktikantenaufgaben. Das klingt jetzt unglaublich viel, ist es aber nicht unbedingt. Die Ruhe im Büro genießen und nutzen zu können, musste auch erstmal gelernt werden.

Die Menschen:
Einerseits trifft man hier auf eine unglaubliche Freundlichkeit unter den Menschen, auch wenn sie oft erstmal sehr schüchtern mir gegenüber sind. Andererseits lerne ich hier auch eine andere Mentalität, vor allem ein anderes Zeitverständnis kennen. Ob beim Laufen, Arbeiten, Essen oder sonstigen Sachen – tendenziell bin ich immer zu schnell für diese Welt. Im Institut arbeiten neben vier Deutschen auch um die sechs singhalesischen Arbeiter und fünf singhalesische Deutschlehrer – gerade auch meine Chefin in der Kulturabteilung ist Singhalesin. Es fällt mir generell doch schwer die Menschen hier zu beschreiben, zu gering ist der Abstand zur Reflexion und zu ungenau ist die Durchmischung von deutscher und sri-lankischer Kultur in meiner Arbeit.

Nebenher
Meine Zeit neben der Arbeit habe ich im vergangenen Monat viel mit Seminararbeiten für die Uni verbringen müssen. Auch das Amt als studentischen Senator macht vor mehr als fünf Zeitzonen Unterschied keinen Halt und resultiert in täglichen E-Mails und spontanen Skype-Konferenzen. Daneben habe ich natürlich versucht die Stadt Colombo genauer zu erkunden, wobei dies zu Fuß nicht gerade die angenehmste Idee war. Ein Abstecher zum Meer lohnt sich jedoch eigentlich immer. Vor ein paar Wochen war ich für zwei Tage beim Bibliothekar des Instituts und seiner singhalesischen Frau und seinen zwei Kindern zu Hause – seine kleine Tochter feierte am Vollmondfeiertag ihren sechsten Geburtstag und ich war mit eingeladen. Neben einer unglaublichen Menge an Essen, das mir immer wieder angeboten wurde, habe ich dort die Grundprinzipien von Cricket gelernt und die Kinder im Gegenzug für Fußball begeistert.
Generell gibt es zum Essen noch etwas zu sagen. Es ist verdammt scharf! Und zwar alles! Aber daran habe ich mich langsam gewöhnt. Im Supermarkt bin ich immer noch vollkommen von der Ordnung, falls es eine geben sollte, überfordert und finde mich zwischen all den unbekannten Sachen noch schwer zurecht. Da ist der klare Vorsatz für den kommenden Monat noch riskanter zu werden. Nachdem ich dieses Wochenende zu spät mein Ticket kaufen wollte, werde ich nun kommenden Freitag mit dem Zug ins Landesinnere nach Kandy fahren, um neben Colombo und der nähren Umgebung auch mal andere Teile der Insel kennenzulernen. Leider sind Norden und Osten weiterhin für Touristen gesperrt – zu gefährlich.

Und weiter?
Am 22. Juli geht es auf nach Bangkok, wo ich Kelly nach langer Zeit wieder treffe. Sechs Tage bleiben mir, um Thailands Hauptstadt und nähere Umgebung zu erkunden und erleben. Am 27. geht es dann abends zurück zum Flughafen Colombo, wo ich die Nacht verbringen werde, um dann am nächsten Morgen in den Flieger Richtung Deutschland wieder zu steigen. Am 29. Juli werde ich dann in Berlin ankommen – leider aber auch nur für wenige Tage. Dann geht es weiter nach Freiburg und dann in den Schwarzwald, wo ich ab dem 7. August wieder auf über 100 Jugendliche aus der ganzen Welt treffen werde.

Von Tür zu Tür
vom 31.05.2011 | 15:49

Ich bin da. Nach knapp 24 Stunden Reise habe ich es geschafft gegen 15 Uhr Ortszeit in meiner Bleibe in Colombo anzukommen. Colombo 7, Barnes Place. Eine wundervolle 2-Zimmer-Wohnung mit Küchenzeile und Bad soll zumindest für den ersten Monat mich beherbergen. Ich habe ein paar Fotos gemacht – allerdings ist es jetzt (20:12) hier schon so dunkel, dass ich bei Tageslicht wohl weitere machen werde. Dann auch mit dem Blick in einen wunderschönen grünen Garten. Bisher habe ich mich gut eingerichtet, Internet gefunden und ein wenig zu Essen eingekauft. Das Geld hier kann allerdings nicht echt sein. Zumindest die Münzen nicht – das ist doch nur Spielgeld. Und bei einem Wechselkurs von 1 Euro zu 154 Sri Lanka Rupies fühlt man sich auch mit 40 Euro in der Tasche wie ein verdammter Millionär bei all den Scheinen. Morgen geht dann der erste Tag im Praktikum los. Wir haben hier Regenzeit und grad geht das Gewitter los. Ich zieh vorsichtshalber mal lieber den Stecker und leg mich ins Bett. Mit einem Buch. Keins für die Uni – hach, ist das schön. (weiterlesen …)

weiter geht's immer