Nachdem ich nun ziemlich genau seit einem Monat in Sri Lanka lebe, ist es Zeit, auch einmal genauer über das Land, meinen Job und die Menschen zu berichten. Alles noch nicht mit der nötigen Reflexion – eher eine Momentaufnahme der Eindrücke.

Das Land und seine Hauptstadt Colombo:
Sri Lanka ist zuallererst wirklich anders, als alles, was ich bisher erlebt habe. Vergleiche mit Europa, (Süd-)Afrika oder Nordamerika passen alle nicht wirklich. Es ist schon irgendwie, was man sich unter Asien jenseits von China und Japan so vorstellt. Rein optisch fühle ich mich stetig an die exotischen Verstecke aus irgendwelchen James-Bond-Filmen erinnert. Leider leidet Sri Lanka immer noch und weiterhin stark an dem Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit in der Bevölkerung und der tamilischen Minderheit und dem ziemlich blutigen Bürgerkrieg von 1983 bis 2009 – worüber ich auch gerade eine Seminararbeit schreibe.
Ich habe mich diesen Monat lang hauptsächlich in der Hauptstadt Colombo aufgehalten. Die ist allerdings selber gar nicht so schön wie wohl der Rest des Landes. Die Luft auf den Straßen ist geschwängert von Abgasen und Benzingeruch und durch die Luft schallt ein stetiges Hupkonzert, das hier einfach zum Fahrstil und Verkehrssystem gehört. Entschädigt wird man bei einem abendlichen Spaziergang zwischen Bahngleisen und Indischen Ozean und am Galle Face Green, auf dem Familien, Pärchen, ganze Schulklassen und Touristen zusammen den Sonnenuntergang genießen. Untergekommen bin ich in einem kleinen Apartment in einem atemraubenden Garten direkt im Botschaftsviertel (Colombo 7) nur ein paar Querstraßen vom Institut entfernt.
Das Wetter ist hier übrigens nicht so launisch wie in Deutschland: Es wird nie wirklich kälter als 26° C gerade und regnet eigentlich jeden Tag, im Moment vielleicht nur einmal kurz, in den ersten Wochen hier hat es jedoch bestimmt mindestens 3 mal pro Tag geregnet. Dementsprechend heiß und schwül ist es hier – ums Schwitzen kommt man nicht herum. Außerdem ist es hier ab 18.30 Uhr zappenduster und das wohl das ganze Jahr lang. Mein Körper hat sich seit einer Woche langsam dran gewöhnt – er sagt mir ab 21 Uhr, dass ich ins Bett gehöre, lässt mich dafür aber auch schon ab 6 Uhr relativ problemlos aufstehen.

Mein Job:
Hierher gekommen bin ich hauptsächlich aufgrund des Auslandspraktikums, welches Teil meines Studiums ist. Daher arbeite ich nun rund 8 Wochen lang für die deutschen Kulturarbeit in Sri Lanka. Konkret kümmere ich mich um die Vorbereitung von Ausstellungen deutscher Künstler oder Workshops mit diesen, helfe mit bei der Durchführung von Lesungen deutscher Kinderbücher für Schulklassen, bereite das Veranstaltungsheft des Instituts vor, schreibe Protokoll bei Meetings (z.B. zum European Film Festival hier in Sri Lanka) und vieles mehr, dabei natürlich auch ganz klassische Praktikantenaufgaben. Das klingt jetzt unglaublich viel, ist es aber nicht unbedingt. Die Ruhe im Büro genießen und nutzen zu können, musste auch erstmal gelernt werden.
Die Menschen:
Einerseits trifft man hier auf eine unglaubliche Freundlichkeit unter den Menschen, auch wenn sie oft erstmal sehr schüchtern mir gegenüber sind. Andererseits lerne ich hier auch eine andere Mentalität, vor allem ein anderes Zeitverständnis kennen. Ob beim Laufen, Arbeiten, Essen oder sonstigen Sachen – tendenziell bin ich immer zu schnell für diese Welt. Im Institut arbeiten neben vier Deutschen auch um die sechs singhalesischen Arbeiter und fünf singhalesische Deutschlehrer – gerade auch meine Chefin in der Kulturabteilung ist Singhalesin. Es fällt mir generell doch schwer die Menschen hier zu beschreiben, zu gering ist der Abstand zur Reflexion und zu ungenau ist die Durchmischung von deutscher und sri-lankischer Kultur in meiner Arbeit.

Nebenher
Meine Zeit neben der Arbeit habe ich im vergangenen Monat viel mit Seminararbeiten für die Uni verbringen müssen. Auch das Amt als studentischen Senator macht vor mehr als fünf Zeitzonen Unterschied keinen Halt und resultiert in täglichen E-Mails und spontanen Skype-Konferenzen. Daneben habe ich natürlich versucht die Stadt Colombo genauer zu erkunden, wobei dies zu Fuß nicht gerade die angenehmste Idee war. Ein Abstecher zum Meer lohnt sich jedoch eigentlich immer. Vor ein paar Wochen war ich für zwei Tage beim Bibliothekar des Instituts und seiner singhalesischen Frau und seinen zwei Kindern zu Hause – seine kleine Tochter feierte am Vollmondfeiertag ihren sechsten Geburtstag und ich war mit eingeladen. Neben einer unglaublichen Menge an Essen, das mir immer wieder angeboten wurde, habe ich dort die Grundprinzipien von Cricket gelernt und die Kinder im Gegenzug für Fußball begeistert.
Generell gibt es zum Essen noch etwas zu sagen. Es ist verdammt scharf! Und zwar alles! Aber daran habe ich mich langsam gewöhnt. Im Supermarkt bin ich immer noch vollkommen von der Ordnung, falls es eine geben sollte, überfordert und finde mich zwischen all den unbekannten Sachen noch schwer zurecht. Da ist der klare Vorsatz für den kommenden Monat noch riskanter zu werden. Nachdem ich dieses Wochenende zu spät mein Ticket kaufen wollte, werde ich nun kommenden Freitag mit dem Zug ins Landesinnere nach Kandy fahren, um neben Colombo und der nähren Umgebung auch mal andere Teile der Insel kennenzulernen. Leider sind Norden und Osten weiterhin für Touristen gesperrt – zu gefährlich.
Und weiter?
Am 22. Juli geht es auf nach Bangkok, wo ich Kelly nach langer Zeit wieder treffe. Sechs Tage bleiben mir, um Thailands Hauptstadt und nähere Umgebung zu erkunden und erleben. Am 27. geht es dann abends zurück zum Flughafen Colombo, wo ich die Nacht verbringen werde, um dann am nächsten Morgen in den Flieger Richtung Deutschland wieder zu steigen. Am 29. Juli werde ich dann in Berlin ankommen – leider aber auch nur für wenige Tage. Dann geht es weiter nach Freiburg und dann in den Schwarzwald, wo ich ab dem 7. August wieder auf über 100 Jugendliche aus der ganzen Welt treffen werde.
